Die Glasmalereien von St. Petri Altentreptow
im Kontext der Stülers’chen Innenraumkonzeption


zur Wiedereinweihung der Fenster nI, nII, o, sI, sII
am Tag des offenen Denkmals 2009

- Festrede, gehalten von R.Kuhl


Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde, Liebhaber, Förderer und Restauratoren der Altentreptower Glasmalereien.

Liebe Gemeinde, die diese ihr Eigen nennen darf.

Die Glasmalereien von St. Petri Altentreptow im Kontext der Stülers’chen Innenraumkonzeption

Das ist das Thema meines Vortrags und ich möchte Ihnen dazu einen kurzen kunstgeschichtlichen Überblick geben, indem ich damit beginne, gedanklich drei konzentrische Kreise um die Glasmalereien aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in dieser Kirche zu ziehen.

Das Bild des Kreises entlehne ich dabei der Anordnung der Glasmalereien im Kirchenraum: Ein Glasmalereizyklus für einen Hallen-umgangs-chor, der im kreisförmigen Umgehen erlebbar wird und sich auch nur so inhaltlich – im Sinne von ikonographisch – erschließt. Zyklus – das aus dem Griechischen stammende Wort bedeutet nichts anderes als Kreis, Kreislauf, Abfolge.

Doch beginnen wir bei dem äußeren Kreis:

1. Der „Architekt des Königs“

Am 19. August 1853 – also fast genau vor 156 Jahren – weilte für einige Stunden der preußische König Friedrich Wilhelm IV. in Barth an der Ostsee. Auch die Stadtkirche St. Marien wollte der Monarch sehen, der seine Enttäuschung über deren äußeren und inneren Zustand jedoch nicht verbergen konnte. Die Vertreter von Kirche und Stadt entschuldigten sich beim König mit dem Hinweis, dass es nicht „am Willen und Geld fehle, um diesem Zustand abzuhelfen, nur wisse man nicht, wer es auszuführen im Stande sei.“ Darauf die kurz und bündige Antwort des Königs: „Ich werde Ihnen meinen Stüler schicken, da sind sie in guten Händen…...“

„Meinen Stüler“…… Gemeint ist der am 28. Januar 1800 in Mühlhausen in Thüringen geborene spätere preußische Architekt Friedrich August Stüler, der bei Karl Friedrich Schinkel an der Berliner Bauakademie studiert hatte und der sich ab 1842 „Architekt des Königs“ nennen durfte. Nach dem Tod von Ludwig Persius, dem ersten „Architekten des Königs“ im Jahre 1845, war Stüler bis zu seinem Tode der alleinige Berater Friedrich Wilhelm IV. in nahezu allen sakralen und profanen Bauangelegenheiten der preußischen Monarchie.

„Ich werde Ihnen meinen Stüler schicken….“

Mit dieser weitsichtigen königlichen Empfehlung begann eine Reihe von Umbauten, Restaurierungen und – wie Thomas Buske diese in einem Aufsatz über Stüler nennt – „visionärer Vollendungen“ königlicher Patronatskirchen im Pommern: Den Auftakt bildete Barth, St. Marien, ab 1856.

Es folgten: Demmin St. Bartholomaei mit einem neuen Kirchturm ab 1858 – sowie einer Umgestaltung des Innenraums zwischen 1862 und 1867. Die Kirche St. Marien in Pasewalk ab 1860. Die Kirchen in Treptow an der Rega ab 1864 und Treptow an der Tollense, dem heutigen Altentreptow, im Todesjahr Stülers 1865.

Friedrich August Stüler war zeitlebens ein rastloser Arbeiter und Dienstreisender als Ministerialbaurat und leitender Architekt Preußens. Allein für die damalige Provinz Pommern bearbeitete er 36 Kirchenbauprojekte.

Dazu kamen seine großen Bauten in Potsdam und Berlin wie die Neue Orangerie im Park Sanssouci, das Neue Museum in Berlin – heute Sitz der Alten Nationalgalerie – sowie der Kuppelbau mit Schlosskapelle am Berliner Stadtschloss.

Ebenso gehören zu Stülers Werken auch der Neubau des Nationalmuseums in Stockholm und die Akademie der Wissenschaften in Budapest sowie die Mitarbeit beim Umbau des Schweriner Schlosses und ebenso – als kleinere Projekte ganz in der Nähe – der Entwurf für das Rubenow-Denkmal in Greifswald oder die Orangerie im Schlosspark Putbus auf Rügen.

Friedrich August Stüler wurde 65 Jahre alt. Er starb am 18. März 1865 in Berlin.

Stüler steht – ähnlich wie sein Lehrer Karl Friedrich Schinkel – am Beginn einer noch nicht vollkommen erfassten und gewürdigten architektonischen Entwicklung, die in die Moderne bzw. Postmoderne einmündete.

Seine Leistungen als Denkmalpfleger sind unbestritten.

Damit sind wir beim schon beim zweiten unserer drei Kreise:

2. Die kirchlichen Innenräume Friedrichs August Stülers

Das Wesentliche und zugleich Unverwechselbare am Stülers Wirken als Architekt sakraler Räume herauszuarbeiten, ist in der Kürze der Zeit kaum möglich. Es ist ein spannungsreiches Wirken, das Thomas Buske mit den Begriffen „Bewahrer und Visionär“ umreißt.

Der Bewahrer Stüler ist der Denkmalpfleger, der das Vorgefundene mit Achtung und Respekt behandelt: Die mittelalterliche Farbigkeit, die mittelalterlichen Ausstattungen, die gewachsene Kubatur eines Raumes.

Der Visionär Stüler hingegen arbeitet mit Ideen.

Er wusste um die besondere Qualität sakraler und profaner Architektur als Bedeutungsträger. Als Kirchenbaumeister wusste er um den theologischen Gedanken des himmlischen Jerusalem, dass die irdischen Kathedralen zeichenhaft abbilden.

Er kannte die Dimension des Transzendenten als des Nicht-Sichtbaren und dennoch Erfahrbaren als die imaginäre Wirklichkeit des Glaubens:

Jeder Mensch, jedes gläubige Herz – so Stülers Anspruch – sollte die Imagination des Glaubens an seinen Visionen von Kirchen und Kirchenräumen erkennen, ja, an diesen und in diesen als verlässliche Tatsachen des Heils leibhaftig erfahren und ablesen können.

Wort und Sakrament – in der Bedeutung, die ihnen die Reformatoren beigemessen hatten; ebenso die Heilsgeschichte vom Alten über das Neue Testament, der Kirchenväter bis zur Reformation – dieses waren die Konstanten Stülerscher Innenraumkonzepte, die es galt, sichtbar im Sinne von erlebbar abzubilden bzw. diesen einen adäquaten Raum, zugleich einen theologisch definierten Ort in diesem Raum zu geben – Orte in Räumen – die unübersehbar Akzente setzten wie die Kanzeln, die Altäre, die Lesepulte, Taufen, die Orgelempore oder die Fenster.

Stülers neugotische Formensprache, die er im sakralen Bereich zumeist anwendet, ist von großer Einfühlung und Zurückhaltung bestimmt.

Es geht ihm nicht um einen Eigenwert von Architektur oder das Etablieren eines neuen Baustils, geschweige denn ein Auftrumpfen mit Architektur, wie dieses unmittelbar nach seinem Tod mit der Monumentalität der so genannten „wilhelminischen Ära“ einsetzte, nein, es ging dem „Architekten des Königs“ um Inhalte und Bedeutungen; in seinen Sakralbauten und die Tiefe, Weite und Verlässlichkeit des christlichen Glaubens.

Bei den Kanzeln und Kanzelbekrönungen, die er schuf, um die Sichtbarmachung des „evangelischen Sakraments des gepredigten Wortes“, dass unter Berufung auf die Evangelisten oder die Kirchenväter am Kanzelkorb und unter der Krone einer himmlischen Kathedralvision als Kanzelbekrönung zu der hörenden Gemeinde gelangen sollte.

Bei den Altären – ganz besonders deutlich in Barth – um einen heiligen Ort für das Sakrament des Heiligen Abendmahls als erlebbare Tischgemeinschaft mit dem auferstanden Herrn, ebenso auch als Taufort, an dem diese Gemeinschaft begründet wird.

Bei den Orgelemporen mit den Orgeln schließlich um vorweggenommene endzeitliche Paradigmen, wo – hoch droben….., aber wirklich hoch droben die himmlische Musik zum Gesang der Engel erklingt, sehr schön verwirklicht in St. Bartholomaei zu Demmin und auch hier, wenn auch wegen der Raumhöhe nicht ganz so erhaben.

Altar und Kanzel als sakramentale Orte.

Die Orgelempore mit der Orgel als himmlischer und somit paradiesischer Ort.

In diesen drei Schritten verwirklicht Stüler – gleichsam modellhaft – seine evangelisch–protestantischen Kirchenräume, so auch hier in Altentreptow.

Deshalb wurden von Stüler hier auch der schöne mittelalterliche Schnitzaltar und das spätgotische Chorgestühl mit großer Behutsamkeit behandelt und wiederhergestellt. Sie bilden die inhaltlichen und formalen Konstanten, aus denen Stüler seinen Innenraum, besser gesagt, seine Raum-Vision schöpft.

Man beachte nur die feinen architektonischen Bezüge und Anspielungen,

die – aus dem Altar entlehnt – sich beispielsweise am Orgelchor wiederfinden oder auch die Durchblicke durch die filigranen Fensterchen und Rosetten des Chorgestühls auf die großen Außenfenster und Wände der Kirche mit wiederkehrenden Rosettenbändern.

Gleiches gilt für das Gemeindegestühl, die Taufe, die Windfänge an den Seitenportalen des Kirchenschiffs, die die Stilelemente des mittelalterlichen Chorgestühls aufnehmen und gedanklich weiter verdichten.

Stüler romantisiert und poetisiert selbst das kleinste, noch so bedeutungslos erscheinende Detail.

Schließlich hier die Kanzel, deren Korb – von Engeln getragen – zum Abbild einer kleinen schwebenden Kathedrale wird. Dabei spielt es keine Rolle, dass sie aus Zementguss besteht und man an der Innenseite des Kanzelkorbes den rohen Beton sieht, was ebenfalls für den Altartisch und die Altarschranke zutrifft.

Anlass der Restaurierung von St. Petri Altentreptow war, wie Stüler schreibt, „…der gelungene Vorgang in Pasewalk“. Den Innenraum dieser Kirche sah Stüler als ein Muster im Sinne eines Prototyps für weitere Kirchenrestaurierungen im romantisch-protestantischen Sinne an.

Wie sehr sein denkmalpflegerischer Anspruch und seine verfeinerte neugotische Formensprache an der Person Friedrich August Stülers hing, zeigt der Umbau von St. Marien in Treptow an der Rega in Hinterpommern nach dem Tode Stülers 1865 unter Verwendung seiner Pläne.

Von der denkmalpflegerischen Behutsamkeit und der poetischen Sinnlichkeit der ersten Gotiker war man zur „Selbstbehauptung“ – wie Thomas Buske schreibt – „eines rein darzustellenden Stils“ vorangeschritten. Es war der Anfang eines Geschichtsverlustes, bei dem das Überlieferte auch ohne Not der neugotischen Stilreinheit geopfert wurde.

Davon ist hier in Altentreptow noch nichts zu spüren, womit wir beim dritten unsere drei Kreise, den Glasmalereien, angekommen sind

3. Die Glasmalereien von St. Petri im Kontext der Stülers’chen Innenraumkonzeption

Mit dieser Überschrift ist schon eine Aussage getroffen: Die Glasmalereien von St. Petri zu Altentreptow sind kontextuale Kunstwerke, die sich einem größeren Sinnzusammenhang unterordnen.

Dieser größere Sinnzusammenhang ist der Innenraum der Kirche mit den Prinzipalstücken Kanzel, Altar mit Taufe und Orgelempore mit der Orgel sowie – nicht zu vergessen und heute besonders schön sichtbar – mit der hier im Kirchenraum versammelten Gemeinde, die Gottes Wort hört und dessen in Form der Sakramente teilhaftig wird.

Auch ohne seine Glasmalereien wäre der Innenraum von St. Petri ein vollwertiger Kirchenraum im protestantischen Sinne, nicht aber ohne Altar, Kanzel, Orgelchor und Gemeinde.

Worin liegt die Bedeutung der Glasmalereien?
Sind sie nur Illustration oder farbenfrohe Dekoration dieses Raumes?

Sie so zu sehen, würde dem tieferen Sinn Stülerscher Kirchenräume nicht gerecht werden.

Denn: Mit den Glasmalereien geschieht ein ganz wichtiger gedanklicher Rückgriff in die Geschichte des Glaubens, bei dem es letztlich um die verbürgte Wahrheit des Glaubens – seine Wurzeln, sein Gebunden–Sein an die göttlichen Taten und Offenbarungen, sein biblisch–theologisches Fundament geht.

Vergewisserung aus der Geschichte des Glauben als Geschichte des Handels Gottes am Menschen – man bezeichnet diese rückblickende Selbstbesinnung des Glaubens auch mit dem Begriff der „Heilsgeschichte“, die mit der Erschaffung der Welt und des Menschengeschlechts anhebt und bis hierher und bis heute, nach Altentreptow – in diesen Gottesdienst – reicht.

Die Glasmalereien von St. Petri – und darin liegt ihre Bedeutung – bilden ausschnittsweise die Heilsgeschichte des Glaubens und des Vertrauens auf Gottes Führung als einen räumlich–zeitlichen Verlauf für die hiesige Gemeinde ab.

Allerdings setzt diese Form der heilsgeschichtlichen Betrachtung hier nicht bei der Erschaffung der Welt ein, sondern bei Mose und bei den beiden alttestamentlichen Königen David und Salomo.

Diesen drei Vorläufern des Glaubens ist das erste Fenster des hiesigen Zyklus gewidmet, das Fenster Nord 6, das derzeit ausgebaut ist.

Moses mit den Gesetzestafeln in der Mittelbahn dieses Fenster steht für das Gesetz Gottes, die zehn Gebote. Mit David und Salomo (Abraham?) werden zwei (königliche) Vorfahren Christi gezeigt.

Das zweite Fenster Nord 5 (ebenfalls ausgebaut) zeigt wiederum in ganzer Figur die Propheten Ezechiel, Jeremia und Jesaja. Das Fenster gibt damit einen ersten Ausblick auf das sich anbahnende Christusereignis am Ende des Alten Bundes.

Das Thema der Prophetie bestimmt auch den Inhalt des dritten, derzeit ebenfalls demontierten und deponierten Fensters Nord 4 mit den alttestamentlichen Propheten Micha und Daniel sowie Johannes dem Täufer, der Jesus als Messias erkannte und ihn im Jordan taufte.

Damit ist die Vorgeschichte des Christusereignisses in groben Zügen abgeschlossen und wir müssen einen gedanklichen Sprung machen, zum dem neu wiederhergestellten Chorscheitelfenster Ost I, mit dem es mitten hinein in die irdische Wirksamkeit Jesu geht.

Gezeigt wird ein Ereignis zwischen Jesus und Petrus, das gleichsam den Gründungsakt der Kirche Jesu Christi darstellt, die sogenannte Schlüsselübergabe an Petrus, auch Gesetzesübergabe – traditio legis – genannt.

Jesus bestimmt Petrus zu seinem irdischen Nachfolger, wodurch beispielsweise die Legitimität des Petrus als dem ersten Bischof von Rom begründet wurde. Unter dem Petersdom in Rom sollen ja bekanntlich seine Gebeine ruhen.

Die Bibelstelle, auf die sich das im hiesigen Ostfenster dargestellte Ereignis bezieht, ist Matthäus 16, Vers 18 f., wo es heißt: „Du bist Petrus, auf diesem Felsen will ich meine Gemeinde bauen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben: Alles, was du auf Erden binden wirst, das soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Eden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.“

Der Gedanke, die Ostfenster von Kirchen für die bildliche Darstellung der Namenspatrone der jeweiligen Kirche zu nutzen, stammt von Karl Friedrich Schinkel, dem Lehrer Stülers. Diesen Gedanken greift Stüler hier auf und so wundert es nicht, dass sich eine analoge Fensterstruktur wie hier in Altentreptow auch in Demmin, der dortigen Kirche St. Bartholomaei wiederfindet; ein großes Ostfenster, das ebenfalls dem Namenspatron der Kirche gewidmet ist.

Die Schlüsselübergabe an Petrus – hier zu sehen – war eine Zäsur innerhalb der Heilsgeschichte. Genau diese Zäsur bildet das Ostfenster sehr präzise ab, ja, es inszeniert diese regelrecht wie auf einer großen Bühne:

Es zieht gleichsam einen Strich innerhalb der Heilsgeschichte.

Unten das architektonische Fundament – versinnbildlicht durch aufstrebende Architekturen in Kombination mit Rosetten – die für die Heilsgeschichte bis dahin stehen können – Schnitt – Übergabe der Amtsgeschäfte an Petrus und damit sichtbar als die Kirche Jesu Christi – im Fenster als eine kleine Kathedrale dargestellt – unter dem Rundmedaillon des Auferstandenen und der Taube des Heiligen Geistes im Scheitelpunkt des Fensters.

Stifter des Ostfensters war der preußische König Wilhelm I. – der Bruder Friedrich Wilhelm IV. und spätere deutsche Kaiser – und seine Gemahlin Augusta von Sachsen–Weimar–Eisenach. Das Ehewappen des Königspaares ziert den unteren Bereich des Fensters.

Der Entwurf für die architektonische Rahmung stammt wahrscheinlich noch von Stülers Hand; die Entwürfe für die Figurengruppe zeichnete der Historienmaler Alexander Teschner.

Ausgeführt wurde das Fenster 1868 im Königlichen Institut für Glasmalerei in Berlin-Charlottenburg, eine 1843 unter Friedrich Wilhelm dem IV. erfolgte Gründung als Muster- und Lehranstalt zur Erneuerung und Wiederbelebung der Kunst der Glasmalerei in Preußen – eine Art halbstaatliche Einrichtung, die seinerzeit unter der Leitung eines Militärs stand, dem General der Infanterie a.D. Eduard Vogel von Falckenstein. Glasmalereien wurden dort – das sein nur am Rande bemerkt – auf Befehl hergestellt, worüber sich entwerfende Künstler dieser Zeit mitunter bitter beklagten.

Die übrigen 4 Fenster des Hallenumgangschors, die das Chorscheitelfenster beidseitig rahmen, stehen ebenfalls unter dem inhaltlichen Gedanken der Heilsgeschichte, jetzt aber nach dem Christusereignis. Geschaffen hat sie der Berliner Glasmaler Louis Müller.

Die figürlichen Kompositionen in diesen Fenstern sind denen der Apolselstatuen am Grab des Hl. Sebaldus von Peter Vischer in der Sebalduskirche zu Nürnberg entlehnt. Sie zeigen die 12 Apostel, wobei Matthäus und Paulus in ihnen nochmals vorkommen: Zuerst als Assistenzfiguren im Mittelfenster und nun als Einzeldarstellungen in den seitlichen Chorfenstern, was ihre Bedeutung unterstreicht.

Die Anwesenheit der zwölf Apostel hier im Kirchenraum ist ebenfalls von tiefer symbolischer Bedeutung. Sie stehen für die heilsgeschichtliche Kontinuität der Ausbreitung des Evangeliums bis in die Gegenwart, zugleich um-stehen sie als Wächter das Christus–Heiligtum, das diese Kirche – insonderheit ihr Altarraum – in der Gedankenwelt ihres Architekten ist.

Wie wichtig Stüler der heilsgeschichtliche Bezug im Kontext seiner Kirchenräume war, belegt nicht zuletzt auch die Kanzel, insbesondere der hiesige Kanzelkorb. In dessen Brüstungsfeldern, die kleinen Fenstern gleichen, schreibt der Architekt die Heilsgeschichte des Glaubens bis in die Neuzeit fort.

Zu sehen sind auch hier wieder „Wächter des Glaubens“ oder auch „Apostel der Neuzeit“, von der Mitte aus gelesen: Martin Luther, Philipp Melanchthon und Johannes Bugenhagen sowie – jeweils ganz außen – Otto von Bamberg und der Liederdichter Paul Gerhard.

Zwei von ihnen stehen wiederum ganz für Pommern, zu dem Altentreptow und diese Kirche gehört: Otto von Bamberg, der Pommernmissionar und Johannes Bugenhagen, Verfasser der ersten pommerschen Kirchenordnung nach der Reformation.

Und so gehört schließlich auch ein großes neunfeldriges pommersches Wappen und das Wappen der Stadt Altentreptow – einst Treptow an der Tollense – ganz selbstverständlich zur heilsgeschichtlichen Botschaft des „hier und heute“ in den Fenstern von St. Petri zu Altentreptow, womit sich auch der dritte Kreis von Moses am Berg Sinai bis nach Altentreptow in Pommern schließt.

Reinhard Kuhl, Kartlow
 

  Verwendete bzw. weiterführende Literatur:

BÖRSCH-SUPAN, EVA / MÜLLER-STÜLER, DIETRICH: Friedrich August Stüler (1800-1865)

Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin, Berlin-München 1997, S. 154 f., zu Altentreptow S. 502-503

BUSKE, THOMAS: Bewahrer und Visionär. Friedrich August Stüler und die kirchliche Denkmalpflege im 19. Jahrhundert. In: EHLER, MELANIE / MÜLLER, MATTHIAS (Hg.), Schinkel und seine Schüler. Auf den Spuren großer Architekten in Mecklenburg und Pommern. Schwerin 2004, S. 73-84

BUSKE, THOMAS: Kirchliche Denkmalpflege im 19. Jahrhundert. Friedrich August Stüler

Hefte des Evangelischen Kirchenbauvereins zu Berlin, Nr. 3. Berlin o.J.

KUHL, REINHARD: Glasmalereien des 19. Jahrhunderts. Mecklenburg-Vorpommern. Die Kirchen. Leipzig 2001, S. 24-2
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